
Unterwegs telefonieren – Die Geschichte des Mobiltelefons
Unterwegs telefonieren, überall erreichbar sein – und am besten möglichst alles unterwegs erledigen. Die Geschichte des Mobiltelefons begann 1926 mit dem ersten Telefongespräch in einem fahrenden Zug. In den 1950er Jahren klingelte das Telefon dann auch im Auto, bevor das Handy und das Smartphone die Erfolgsgeschichte der mobilen Kommunikation fortsetzten.
Die Entwicklung des Mobiltelefons spiegelt den Wunsch der Gesellschaft nach Mobilität. Sie macht aber auch auf den Wunsch der Menschen aufmerksam, sich überall und jederzeit mit anderen Menschen zu verbinden, auszutauschen und zu kommunizieren. Und das nicht nur am Telefon, sondern auch mit Text- und Bildsendungen, Sprachnachrichten oder über Videotelefonate. Heute ist das mobile Telefonieren nur eine Funktion unter vielen. Das Mobiltelefon ist aber dennoch vor allem eines: ein Telefon für unterwegs.
Das Mobiltelefon ist ein überraschend wandelbares Kommunikationsmedium. Erfahren Sie hier mehr über seine faszinierende Geschichte, die nach 100 Jahren noch kein Ende hat und uns auch in Zukunft begleiten wird.
Aufs Gleis gesetzt
In der Bahn telefonieren? Heute selbstverständlich, 1926 dagegen eine technische Sensation. Reisende im D-Zug auf der Strecke Hamburg–Berlin konnten am 07. Januar 1926 erstmals Funk-Telefongespräche führen. Auch Anrufe in den fahrenden Zug waren möglich. Für das mobile Telefonieren beim Reisen war mit hohem Aufwand eine neuartige Infrastruktur geschaffen worden. Antennen auf dem Wagendach waren sichtbare Zeichen der neuen Technik. In den Zügen wurden kleine Vermittlungsstellen mit Funkanlagen und Telefonkabinen eingerichtet.
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Jedes Telefongespräch erforderte einen hohen personellen Aufwand – im Zug und in den beteiligten Vermittlungsstellen. Für Zugtelefonate wurde deshalb zusätzlich zu den Ferngesprächsgebühren ein Zuschlag berechnet.
Die notwendige Technik – Funk-Sende- und Empfangsanlagen – lieferte die Firma Huth, für den Betrieb wurde eigens eine Gesellschaft, die Zugtelephonie AG gegründet. Neu eingerichtete Zugvermittlungsstellen waren für die Verbindung zwischen dem Telefonnetz der Reichspost und den Sprechstellen in den Zügen zuständig.
Das Zugtelefon war 1926 ein Experiment, das auf die Strecke Berlin–Hamburg beschränkt blieb. Der ursprüngliche Plan, weitere D-Zug-Verbindungen mit Zugtelefonie auszustatten, wurde nie umgesetzt. Das Telefonieren im Zug blieb auf die Strecke Hamburg–Berlin begrenzt.
Zugfunk – die Technik
Die Funkstrecke von nur wenigen Metern beschränkte sich auf den Abstand zwischen der Dachantenne und den vorhandenen Masten für Freileitungen entlang der Strecke. Darüber war die Zugvermittlungsstelle angebunden. Der Zugfunk sendete auf dem Wellenbereich von 60 bis 150 Kilohertz, der nicht vom Rundfunk genutzt wurde. Somit konnten die Telefonate nicht einfach mit Radios abgehört werden.

Schematische Darstellung des Zugfunks, aus: Artur Fürst: Das Weltreich der Technik, 1929
Telefonieren im Zug
Für den Betrieb im Zug wurde eine Sprechstelle für Fahrgäste und ein Betriebsraum eingerichtet, in dem sich die Sende- und Empfangstechnik sowie der Arbeitsplatz der Vermittlungskraft befanden. Ein Fenster erleichterte die Verständigung; die Samtpolsterung der Wände sorgte für die notwendige Schalldämmung. 90 Prozent der Anrufe gingen vom Zug ins Festnetz.

Vermittlungskraft am Funk-Empfänger im Zug, 1926

Vermittlungskraft am Funk-Sender im Zug, 1926

Bahnreisender beim Telefonieren mit dem Zugtelefon, 1926
Träume und Tatsachen
Technisch erfüllte die Zugtelefonie den Traum, unterwegs zu telefonieren. Ein Erfolgsmodell war es trotzdem nicht: 1926 wurden nur 12.536 Gespräche aus dem Zug geführt. Das entspricht sechs Telefonaten pro Zugfahrt. Ein Grund war der Preis: Zusätzlich der Gebühren für ein Ferngespräch fiel ein Zuschlag von einer Mark je Minute – mindestens aber drei Mark – an.

Grundriss eines Zugfernsprechamts in einer Werbebroschüre der Zugtelephonie AG, 1926

Dachantenne auf deinem D-Zug mit Zugtelefon, 1926
Vom Zug ins Auto
Nachdem das Zugtelefon nicht den erhofften Erfolg hatte, gab es lange keine Möglichkeit für Privatpersonen unterwegs zu telefonieren. In den 1950er Jahren begann dann ein neues Kapitel des mobilen Telefonierens: 1958 führte die Bundespost den öffentlichen beweglichen Landfunkdienst (öbL) ein. Dazu wurde der bereits vorhandene Flickenteppich kleinerer Netze zum ersten flächendeckenden Mobilfunknetz der Bundesrepublik – dem A-Netz – zusammengefasst. Klein genug geworden, passte die Technik jetzt in ein Auto.
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Mit den Autotelefonen wurde das mobile Telefonieren privat. Das Zugtelefon war öffentlich und stand allen Fahrgästen zur Verfügung. Das Telefon im Auto hingegen war nur von einzelnen Menschen nutzbar.
Bevor das A-Netz als erstes öffentliches Mobilfunknetz zur Verfügung stand, gab es in Deutschland nur nicht-öffentliche oder halb-öffentliche Netze. Beispiele dafür die der Polizei- oder Behördenfunk sowie der Schifffunk.
Begrenzte Reichweite
Das 1958 eingeführte A-Netz und das 1972 eröffnete B-Netz waren analoge Funknetze, die sich aus mehreren kleinen Funkbereichen zusammensetzten. Diese durften während des Telefonierens nicht verlassen werden, weil jeder Bereich eine eigene Vorwahl hatte und das Amt beim Wechsel in eine andere Funkzelle die Verbindung nicht aufrechterhalten konnte.

Wer die Wahl hat
Mit dem Autotelefon konnte anfangs nicht gewählt werden. Um im A-Netz zu telefonieren, musste das Telefonat vom Amt handvermittelt werden. Im B-Netz wählten die Teilnehmenden dann selbst und die Gespräche wurden automatisch vermittelt. Während die ersten Autotelefone noch fast ganze Kofferräume füllten, waren die B-Netz Geräte nur noch so groß wie ein Koffer.

Bedienhörer B 72 B für das A-Netz-Autotelefon B 72, TeKaDe Süddeutsche Telefon-Apparate-, Kabel- und Drahtwerke AG, 1958

Bedienhörer B 72 B im Fahrerraum eines Autos verbaut, 1955

Funkgerät eines A-Netz Autotelefons im Kofferraum verbaut, 1955
Klingelton Autotelefon:
Erreichbarkeit als Statussymbol
Unterwegs zu telefonieren hatte seinen Preis: Die Geräte kosteten ungefähr so viel wie ein Kleinwagen. Somit blieb die Mobiltelefonie ein Privileg für Wenige, die es sich leisten konnten oder deren Beruf es erforderte, unterwegs erreichbar zu sein – z.B. Geschäftsleute. Im A-Netz gab es 11.000 Anschlüsse, im B-Netz bereits 27.000.

Telefonierende Frau in einem Auto, 1955

Ein Mann telefoniert im Auto, 1958
Aus dem Auto in die Hand
Das 1986 eröffnete C-Netz brachte technische Neuerungen. Durch das automatische „Hand-Over“ wurden Gespräche ohne Unterbrechung zwischen zwei Funkbereichen weitergegeben und das gesamte Mobilfunknetz hatte eine einheitliche Vorwahl. Dadurch waren die Menschen erstmals uneingeschränkt überall erreichbar. Das analoge C-Netz ergänzte ab 1990 auch in den neuen Bundesländern die unzureichende Festnetz-Infrastruktur und vereinte die Menschen in Ost- und Westdeutschland telefonisch.
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Die Telefonate im A-Netz und B-Netz konnten theoretisch mit einfachen Funkempfängern mitgehört werden. Im C-Netz war der Funkweg dann erstmals verschlüsselt und die Gespräche dadurch abhörsicher.
Zusätzlich kamen im C-Netz erstmals Zusatzgeräte – mobile Faxgeräte und Anrufbeantworter – zum Einsatz.
Mit Karte bitte
Wer im C-Netz telefonieren wollte, brauchte eine Berechtigungskarte – die sogenannte Telekarte. Diese funktionierte ähnlich wie die heutige SIM-Karte: Sie diente als Identifikationskarte, mit der unterschiedliche Mobiltelefone benutzt werden konnte. Falls der Akku des Mobiltelefons leer war, konnte damit auch in Telefonzellen weitertelefoniert werden.

Zwei TeleKarten und eine Berechtigungskarte für das C-Netz, ab 1986
Das erste „Handy“
Das erste tragbare Mobiltelefon war so groß wie ein Koffer und wog sieben Kilogramm. Es war 1988 trotzdem eine Sensation, weil damit erstmals auch außerhalb eines Autos telefoniert werden konnte. Das erste kompakte Handgerät kam ein Jahr später in Deutschland auf den Markt. Von verschiedenen Herstellern vermarktet, erschien auf einem davon zum ersten Mal das Wort „Handy“.

Mobiltelefon C2 portable, Siemens AG, 1988

Mobiltelefone des Herstellers Technophone Ltd. In Deutschland von verschiedenen Herstellern als Pocky (Telekom), SEM 340 (SEL), SEM T 340 (Alcatel) und Handy C9 (Bosch) ab 1988 vertrieben.

Mobiltelefon Handy C9, Technophone Ltd., 1991
Klingelton Pocky:
Hier spricht Helmut Kohl
Die Grundgebühren waren im C-Netz 150 DM günstiger als im B-Netz, mit 120 DM aber immer noch ziemlich teuer. Genutzt wurde das Angebot daher weiterhin vorranging von Geschäftsleuten und hochrangigen Persönlichkeiten – beispielsweise dem damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl. Trotzdem stiegen die Anschlusszahlen im C-Netz weiter auf 800.000 Teilnehmende an.

Geschäftsfrau beim Telefonieren mit einem Mobiltelefon Pocky (Typ C450-31), 1991

Bundeskanzler Helmut Kohl telefoniert im ICE-Zug nach Basel mit einem tragbaren Mobiltelefon, 1989

Frau beim Telefonieren mit der Autotelefonanlage BSA 44, Philips Kommunikations Industrie AG, um 1986
In aller Hände
Das D-Netz brachte 1992 als erstes digitales Mobilfunknetz nicht nur technische Neuerungen. Als Grundlage diente der neue europäische Standard für Mobilfunk, das Global System for Mobile Communications
(GSM). Somit konnten im D-Netz erstmals europaweit Mobilfunkanrufe getätigt werden. Als durch die Einführung der Prepaid-Tarife ab 1998 auch die monatliche Grundgebühr wegfiel, stieg die Zahl der Nutzer:innen sprunghaft an und es setzte der „Handyboom“ ein. Das Handy war jetzt in aller Hände und begann seine Erfolgsgeschichte als populäres Kommunikationsmedium.
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Vor allem für Jugendliche lag der Reiz des Handys weniger im Telefonieren und mehr in der Möglichkeit über den Short Message Service (SMS) Textnachrichten zu versenden. Welche Nutzungsform auch immer – das Handy wurde zum Massenphänomen. Die Anzahl der Mobilfunkanschlüsse stieg seit 1992 von 950.000 auf 5,5 Millionen im Jahr 1995. Im Jahr 2000 waren es dann bereits 48,25 Millionen, 2001 schon 56,13 Millionen und 2002 bereits 59,13 Millionen. Als 2006 85,65 Millionen Handys registriert waren, gab es erstmals mehr Mobilfunkverträge als Menschen in Deutschland.
Neue Netze, neue Preise
Mit der Privatisierung der Bundespost verlor die Telekom auch im Mobilfunk ihre Monopolstellung. Zeitgleich mit dem D1-Netz der Telekom eröffnete 1992 auch das D2-Netz von Mannesmann Mobilfunk (heute: Vodafone) und 1993 kam der Anbieter E-Plus dazu. Die Konkurrenz sorgte für günstige Handyverträge und erschwingliche Geräte

Titelseite der Sonderbeilage Das moderne Büro der Hamburger Morgenpost, August 1992

Basisstation RBS 2206 für GSM-Mobilfunk mit Antennen, 2005

Prepaid-Guthabenkarten verschiedener Anbieter, 2001–2005
Handys in Hülle und Fülle
Die Mobiltelefone erreichten Ende der 1990er Jahre das Hosentaschenformat, weil die digitale Netztechnik mit kleineren Bauteilen auskam. Je mehr Nutzer:innen es gab, desto mehr richteten sich die Hersteller mit neuen Designs an unterschiedliche Zielgruppen. Das Ergebnis waren neue Farben und Formen. Für einen besonders individuellen Look sorgten Hüllen oder Handyschmuck.

Auswahl verschiedener D-Netz Handys mit vielfältigem Handy-Zubehör, 1992–2008
Klingelton Nokia:
Handykultur
Seit den frühen 2000er Jahren ist das Handy ein fester Bestandteil der Kommunikationskultur. Auch die Popkultur griff das Handy auf und machte es allgegenwärtig – auf mitunter kuriosen Gegenständen. Mit der zunehmenden Verbreitung des Handys kamen jedoch auch Ängste auf: Ist Elektrosmog schädlich? Beeinflusst das Handy die Jugend negativ?

Schulkind beim Telefonieren mit einem Mobiltelefon, 1999

Kuriositäten der Handykultur, 2000–2012

Neue Technik schürt neue Ängste: Bücher zum Thema Handynutzung und Hilfsmittel gegen vermeintlich gesundheitsschädlichen Elektrosmog, 1999–2012
Mehr als ein Telefon
Das Handy startete mit neuen Funktionen in das neue Millennium. Integrierte Radios, MP3-Player und Digitalkamera erweiterten das Mobiltelefon zum Multimedia-Handy. Der neue Mobilfunkstandard Universal Mobile Telecommunications System (UMTS) bot hohe Geschwindigkeiten für die Datenübertragung und brachte neue Formen der Mobilkommunikation. Die Telefonfunktion stand weiter im Vordergrund, doch das „Feature Phone“ zeigte, dass ein Mobiltelefon mehr als ein Telefon sein kann.
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Neben Kamera, Radio und Media-Player verfügen „Feature Phones“ auch über Handy-Spiele, Kalender- und Notizprogramme sowie einen Webbrowser, der sich aber zunächst aber auf das langsame und teure Handy-Internet Wireless Application Protocol (WAP) beschränkte. Vom Smartphone unterscheiden sie sich, weil der Funktionsumfang nicht durch Apps erweiterbar ist und sie keine ständige Internetverbindung haben.
Der Club der Ersten
Um 2000 kamen die ersten Handys mit zusätzlichen Funktionen auf den Markt: Das Nokia 8310 war das erste Handy mit einem UKW-Radio; im Siemens SL45 war erstmals ein MP3-Player verbaut; eine Ansteckkamera erweiterte das Siemens S55 zur Digitalkamera; 2002 gab es die ersten Handys mit integrierter Kamera auf der Rückseite – in Deutschland das Nokia 7650.

Mehr als ein Mobiltelefon: Nokia 8310, Siemens SL45, Siemens S55 und Nokia 7650, 2000–2002
Multimedia für unterwegs
Sony Ericsson brachte 2005 das erste Modell seiner Walkman-Reihe auf den Markt. Selbst bei ausgeschaltetem Handy konnte im Walkmanmodus auf den 512 MB großen Musikspeicher zugegriffen werden. Zeitgleich verbesserte sich die Auflösung der Handy-Fotos, die über den 2002 eingeführten Mulimedia Messaging Service (MMS) direkt mit dem Handy versendet werden konnten.

Das erste Walkman-Handy: Mobiltelefon Sony Ericsson W800i, 2005

Mitte der 2000er Jahre eine Innovation: Handykameras mit 2 Megapixel – und mehr

Ein „cooles“ Zusatzgerät für Fotosendungen mit dem Handy: die Umhängekamera Nokia Fun von 2003
Mobile Datenkommunikation
Über das Wireless Application Protocol (WAP) waren ab 1999 speziell für Handys konzipierte Webseiten abrufbar. Das Handy-Internet war aufgrund eingeschränkter Funktionen, hoher Gebühren und langsamer Datenübertragung aber kein großer Erfolg. Erst der Mobilfunkstandard UMTS brachte ab 2004 schnelle Downloads und machte Videotelefonate möglich.

Das Nokia 7110 war 1999 das erste Handy mit WAP-Funktion

Das Nokia Z1010 war 2003 das erste Handy mit einer Frontkamera für Videotelefonate

Mit dem 3G-Mobilfunknetz kamen 2004 neue Kommunikationsmöglichkeiten auf das Handy
Das Telefon, das alles kann
Der Wunsch, unterwegs zu telefonieren, hatte sich durch das Smartphone erfüllt. Jetzt versprach das mobile Internet alles unterwegs erledigen zu können. Die ersten Smartphones, die Ende der 1990er Jahre auf den Markt kamen, waren in erster Linie digitale Organizer und vor allem für Geschäftsleute interessant. Das „Büro für die Westentasche“ entwickelte sich jedoch schon bald zu einem digitalen Alleskönner für alle, die mehr wollten als ein Mobiltelefon.
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Das Smartphone ist zwar nach wie vor ein Mobiltelefon, doch es wird immer seltener damit telefoniert. Die Gesprächsminuten im Mobilfunknetz sanken zwischen 2022 und 2024 von 163 Milliarden auf 145 Milliarden. Der mobile Datenverbrauch nahm dagegen um 36 Prozent zu. Vor allem Text- und Sprachnachrichten sind heute beliebt: 2024 wurden in Deutschland 902 Milliarden Nachrichten über Messenger-Apps verschickt – 11 Milliarden mehr als im Vorjahr. Der Grund: Ein Anruf könnte vielleicht stören.
Seine Relevanz als Telefon hat das Smartphone aber dennoch nicht verloren. 2018 riefen die Deutschen erstmals mehr vom Handy als vom Festnetztelefon aus an. Ein Trend, der bis heute anhält.
Smart kombiniert
Der Nokia 9000 Communicator kombinierte 1996 erstmals ein Mobiltelefon mit einem vollwertigen Internetbrowser. Ericsson führte 1999 für diese neuartigen Mobiltelefone die Produktbezeichnung Smart Phone ein. Sie überzeugten vor allem Geschäftsleute, die damit unterwegs arbeiten konnten. Schnell nutzten sie die multifunktionalen Geräte aber auch für private Zwecke.

Die ersten Smartphones: Nokia 9000 Communicator, Ericsson R 380, Palm Treo 180, T-Mobile Sidekick II, BlackBerry 7230, Nokia 7600, 1996–2004
Digitaler Alleskönner
Das iPhone machte das Smartphone populär. Das Design und die Bedienung mit dem Finger waren revolutionär. Ebenso die neuartige Oberfläche aus Apps, die automatisch online Informationen abriefen. Das digitale Multiversum des iPhones versprach, alles unterwegs verfügbar zu haben – und prägt damit bis heute unsere Vorstellung vom Smartphone.

Smartphone iPhone 1, Apple, 2007
Smarte neue Welt
Das Smartphone kann über Bluetooth mit anderen intelligenten Geräten (Smart Objects) verbunden werden. Sie messen Körperdaten, registrieren Aktivitäten oder steuern und überwachen den Haushalt. In Apps werden die Daten angezeigt, gesammelt und ausgewertet. Das Mobiltelefon ist zu einer Fernbedienung geworden, auf der das Telefon nur eine Funktion von vielen ist.

Digitalkamera FridgeCam zur Überwachung des Kühlschrankinhalts, Smarter Applications Ltd., 2017

Intelligente Zahnbürste Oral-B TriZone 7000 Smart Series, Braun AG, 2015

Die intelligente Gabel HAPIfork (2013) misst, wie schnell gegessen wird; die smarte Trinkflasche Seed Urban Series A43 (2016) informiert eine App über die tägliche Trinkmenge
Was kommt morgen?
Eine Zukunft ohne Smartphone? Unvorstellbar! Das wurde allerdings auch über das Autotelefon oder das klassische Handy gedacht, bevor neue Angebote mit neuen Möglichkeiten überzeugten. Fest steht nur, dass die einzige Konstante der Wandel ist. Heute stellen die digitale Reizüberflutung und eine schlechte Klimabilanz die Zukunftsfähigkeit des Smartphones in Frage – und miteinander vernetzte Smart Objects machen ihm Konkurrenz.
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In der Mobilfunkgeschichte gab es viele Zukunftsvisionen, die sich allerdings als Sackgassen erwiesen:
Die Xelibri-Handys von Siemens sollten 2003 mit futuristischem Design das Mobiltelefon modernisieren. Die Produktion der eher unpraktischen Geräte wurde jedoch schon ein Jahr später eingestellt.
Mitte der 2000er Jahre galten Handgeräte für den Empfang von E-Mails als zukunftsweisend. Noch 2008 stellte das Time Magazine den E-Mail Messenger Blue Motion als eine der besten Erfindungen des Jahres vor. Seine einzige Funktion: E-Mails empfangen und senden.
Der Sprachassistent Nabaztag (armenisch: Hase) versendete 2007 Text- und Sprachnachrichten, die eine Computerstimme wiedergab. Stattdessen haben sich Social Media und Messenger-Apps durchgesetzt.
Datenbrillen könnten in Zukunft das Smartphone ersetzten. Als die Datenbrille Google Glass 2014 auf den Markt kam, blieb der erhoffte Erfolg allerdings aus. Das Konzept lebt dennoch weiter: Immer wieder kommen Gerüchte auf, dass Apple an einer Datenbrille arbeite, die das iPhone ersetzen könnte.
Zukunftssicher?
Das Smartphone hat eine hohe Akzeptanz. Es scheint daher unwahrscheinlich, dass es in naher Zukunft an Bedeutung verliert. Design-Visionen, kommunikative Sprachassistenten und Datenbrillen kamen in der Vergangenheit nicht gegen das Mobiltelefon an. Das Smartphone selbst zeigt jedoch: Es kann schnell gehen, wenn eine neue Technologie bessere Angebote macht.

Zukunftsvisionen, die keine Zukunft hatten: die Xelibri-Handys von Siemens, E-Mail Messenger, der kommunikative Hase Nabaztag und die Datenbrille Google Glass
Zukunftsfähig?
Hohe Emissionen durch Produktion, kurze Nutzungszeit und Entsorgung machen das Smartphone zu einem Klimakiller. Hinzu kommen Umweltbelastungen und die Ausbeutung von Menschen durch den Abbau der Rohstoffe – insbesondere Lithium, Seltene Erden und Kobalt – im globalen Süden. Nachhaltige Alternativen mit wechselbaren Bauteilen finden jedoch kaum Interesse. Zeitgleich stufen Nutzer:innen ihre Bildschirmzeit als zu hoch ein und greifen zu funktionsreduzierten „Dumphones“ oder sperren ihr Handy ins Gefängnis, um nicht abgelenkt zu sein.

Smartphone Fairphone 4, 2021

Wenn das Smartphone zu sehr ablenkt: Neuauflage des Mobiltelefons Nokia 6310 von 2021 mit reduzierten Funktionen

Für manche die einzige Möglichkeit die Finger vom Smartphone zu lassen: Handy-Gefängnis Phone Jail, 2019
Zukunft ohne Smartphone?
Laut einer Umfrage von 2025 könnten in Deutschland nur drei Prozent auf ihr Smartphone verzichten. Das betrifft jedoch nur die Funktionen – das Gerät selbst ist zweitranging. Schon heute übernehmen Smartwatches mit eigener SIM-Karte oder andere Wearables und Smart Speaker mit Sprachassistenz viele Funktionen des Smartphones.

Die Apple Watch 3 GPS + cellular von 2019 mit eigener SIM-Karte kann auch ohne Smartphone telefonieren

Die intelligente Brille Frame AI Glasses von 2024 blendet Informationen in das natürliche Sichtfeld ein – z.B. über Sehenswürdigkeiten, die gerade angeschaut werden.

Intelligenter Lautsprecher Amazon Echo Dot mit Sprachassistent Alexa, 2023
Zukunftsvisionen
Vom Zug ins Auto, in die Hand: Die Entwicklung des Mobiltelefons bis zum Multiversum des Smartphones lässt staunen. Die Zukunft könnte durch Implantate unter die Haut gehen oder durch E-Tattoos und smarte Kontaktlinsen die Hand frei machen. Das klingt heute ebenso verwegen wie 1930 die Zukunftsfantasie des Bildschirmtelefons, das durch das Smartphone Wirklichkeit wurde. Es bleibt spannend!

Sammelbild mit Zukunftsfantasie, aus: Echte Wagner Album, 1930






